Warum Apfelbäume „fremdgehen“

By 23. April 2020Allgemein, Obstbäume

„Gleich und gleich gesellt sich gern“, behauptet ein altes Sprichwort. Das mag sein und auf Menschen zutreffen. Bei Apfelbäumen ist das ganz und gar nicht der Fall. Da gilt vielmehr: „Gegensätze ziehen sich an.“  Ja mehr noch, es „verlieben“ sich nicht nur ungleiche Sorten ineinander, sondern im Gegenteil – wenn es eine fruchtbare Verbindung werden soll, dann gehen Apfelbäume am besten von Anfang an fremd.

Das ungleiche Paar des Monats April: Cox Orange und Berner Rosenapfel

Apfelbäume sind Fremdbefruchter. Das bedeutet: Bäume der gleichen Sorte können sich nicht gegenseitig befruchten. Daher benötigen Apfelbäume fremde Sorten, um Früchte ausbilden zu können. Diese Sorten nennt man Befruchtersorten. Damit die Bäume einer Apfelplantage sicher befruchtet werden können, dürfen die Befruchtersorten nicht allzu weit entfernt stehen. Daher pflanzen die Obstbauern in regelmäßigen Abständen Apfelbäume anderer Sorten in die Reihen, damit die Bienen und (seltener auch) der Wind deren Pollen überall in der Plantage verteilen können.

Nicht jede Sorte eignet sich als Befruchtersorte

Manche Sorten sind aus genetischen Gründen ungeeignet, andere weil sie eine andere Blütezeit haben als die Kultursorte. Damit der Obstbauer weiß, was er pflanzen muss, existieren heute umfangreiche Listen darüber, welche Apfel- und Birnensorten sich besonders als Pollenspender eignen.

Photo: Xalanx, depositphotos.com

Spindelbaum und Halbstamm

Der Cox Orange kommt als Spindelbaum. Ein Spindelbaum wächst max. bis 2,5 Meter und kann ohne Leiter geerntet werden. Er bildet keine wirkliche Krone mit Leittreiben aus, sondern setzt die Früchte rings um den Stamm an rundum angesetzten Trieben an. Der Schnitt ist nicht schwierig. Spindelbäume sind die häufigsten Formen im Erwerbsanbau.

Der Berner Rosenapfel kommt als Halbstamm. Die Alternative wäre der Hochstamm; die werden bis 5 Meter groß. Der Halbstamm wird ca. 3 – 4 Meter groß, kann also gut mit Obstpflücker auch ohne Leiter geerntet werden. Es ist die typische, kleinere Obstbaumform für den Hausgarten.

Der Cox Orange ist ein sehr bekannter Klassiker, eine hervorragende alte Sorte. Sehr angenehmer, süß-saurer Geschmack, sehr beliebt auch bei Kindern. In erster Linie ein Tafelapfel, aber auch sehr gut für (ggf. zuckerfreien) Kompott oder Mus. Der Rosenapfel ist ebenfalls eine hervorragende alte Sorte, nicht so allgemein bekannt wie der Cox, aber kein bisschen weniger empfehlenswert: ein sehr guter Winterapfel, typisch klassische Geschmacks- und Bisseigenschaften (leicht mürbe und süßweinig, als würziger Apfel aber eine gute Alternative zum Cox). Die beiden sind perfekt passende Befruchter und versorgen die Familie mit reicher, abwechslungsreicher Ernte.

Foto: pryzmat, depositphotos.com